Nordlichter Island: Wann und Wo du sie am besten siehst

Polarlichter gehören zu den faszinierendsten Naturphänomenen der Welt, und Island ist einer der besten Orte, um sie zu erleben. Doch wann genau kann man Nordlichter auf Island sehen, und wie plant man am besten eine Reise dafür? Dieser Ratgeber beantwortet alle wichtigen Fragen rund um die beste Reisezeit für Island mit Fokus auf Polarlichter.

Wann sind Nordlichter auf Island sichtbar?

Polarlichter entstehen, wenn geladene Teilchen des Sonnenwinds auf die Erdatmosphäre treffen und dabei Gasmoleküle zum Leuchten bringen. Damit das Polarlicht sichtbar ist, braucht man drei Dinge gleichzeitig: ausreichend geomagnetische Aktivität, einen klaren Himmel und echte Dunkelheit. Auf Island ist das klassischerweise zwischen September und April der Fall, wenn die Nächte lang und dunkel genug sind.

Im isländischen Sommer (Mai bis August) bleibt der Himmel dank der Mitternachtssonne hellblau, selbst um Mitternacht. Polarlichter entstehen zwar auch dann, sind aber nicht sichtbar. Wer die Nordlichter sehen möchte, muss also die dunkle Jahreszeit planen.

Die beste Zeit für Polarlichter auf Island

September und Oktober

Die Monate rund um die Herbst-Tagundnachtgleiche (21. September) gelten unter Aurora-Jägern als besonders günstig. Statistisch häufen sich geomagnetische Stürme in dieser Zeit, da das Erdmagnetfeld zur Sonnenwend-Achse günstiger ausgerichtet ist. Die Nächte werden schnell länger, und das Wetter ist oft noch stabiler als im tiefsten Winter.

November bis Januar

Die längsten Nächte Islands fallen in die Wintermonate, was theoretisch mehr Beobachtungsstunden ermöglicht. Der Nachteil: Das isländische Winterwetter ist notorisch unbeständig, mit häufigen Stürmen, dichten Wolken und Regen. Dennoch gibt es in dieser Zeit spektakuläre klare Nächte, in denen der Himmel für Stunden aufklart und die Polarlichter explodieren.

Februar und März

Für viele Reisende ist der Spätwinter die attraktivste Kombination: Die Nächte sind immer noch lang (6 bis 9 Stunden echte Dunkelheit), das Wetter wird etwas stabiler, und die Frühlings-Tagundnachtgleiche (20. März) sorgt erneut für erhöhte geomagnetische Aktivität. Unser Guide zu Island im Februar und Island im März erklärt, warum diese Monate so beliebt sind.

Welchen Kp-Index brauche ich?

Island liegt bei etwa 65° Nördlicher Breite und damit weit im polaren Oval. Selbst bei einem Kp-Index von 2 bis 3 sind Polarlichter prinzipiell sichtbar, wenn der Himmel klar und Bz negativ ist. Ab Kp 4 sind lebhafte Lichter zu erwarten, und ab Kp 5 tanzt das Polarlicht oft bis in den Zenit.

Die Bz-Komponente des interplanetaren Magnetfeldes ist dabei oft wichtiger als der Kp-Wert allein. Zeigt Bz stark nach Süden (negativer Wert unter −5 nT), öffnet sich die Erdmagnetosphäre für den Sonnenwind, und Polarlichter können auch bei moderatem Kp aufflackern. Unser Nordlichter-Forecast-Guide erklärt, wie man diese Daten in Echtzeit liest.

Die besten Orte für Polarlicht-Beobachtungen

Þingvellir Nationalpark

Nur 45 Minuten von Reykjavík entfernt und UNESCO-Welterbe: Þingvellir bietet dunklen Himmel, dramatische Landschaft und den spiegelnden Þingvallavatn-See als Kulisse. An klaren Nächten ist die Lichtbelastung deutlich geringer als in der Hauptstadt.

Jökulsárlón Gletscherlagune

An der Südküste Islands treibt das Eis des Vatnajökull-Gletschers auf dem Meer, und bei klarer Nacht spiegeln sich die Polarlichter sowohl im Wasser als auch auf den Eisbrocken am schwarzen Diamant-Strand. Diese Kombination ist einzigartig auf der Welt und für Fotografen ein Traum.

Akureyri und Umgebung

Islands zweitgrößte Stadt liegt am Eyjafjörður und bietet etwas weniger Lichtverschmutzung als Reykjavík. Die Umgebung mit den schneebedeckten Bergen des Nordens macht die Region zum idealen Ausgangspunkt für Nordlicht-Ausflüge.

Westfjorde

Wer wirklich abgelegene Dunkelheit sucht, findet sie in den Westfjorden. Der Fjord Ísafjarðardjúp und die Halbinsel Snæfellsnes bieten minimale Lichtverschmutzung und eine wild romantische Landschaft. Die schlechten Straßenverhältnisse im Winter erfordern aber ein geeignetes Fahrzeug und Erfahrung – unser Guide zum Autofahren im Winter hilft bei der Planung.

Grótta, Reykjavík

Für alle, die von der Hauptstadt aus nicht weit fahren wollen: Der Leuchtturm Grótta auf der Landzunge Seltjarnarnes am westlichen Stadtrand gilt als bester Beobachtungspunkt in Stadtnähe. Zu Fuß in 20 Minuten erreichbar, bietet er freien Blick nach Norden und Westen.

Wie viele Tage sollte ich einplanen?

Die häufigste Enttäuschung bei Polarlicht-Reisen entsteht durch zu kurze Aufenthalte. Das Wetter auf Island ist unberechenbar, und es ist durchaus möglich, dass zwei oder drei Nächte in Folge bewölkt sind. Experten empfehlen mindestens fünf bis sieben Übernachtungen, um realistische Chancen auf eine klare Nacht zu haben. Unser Reisebudget-Guide hilft bei der Kostenplanung.

Wer nur drei Nächte Zeit hat, sollte besonders auf lange Vorhersagezeiträume und Webcams aus Island achten, um die Reise im optimalen Fenster zu planen.

Tipps für die Polarlicht-Jagd

  • Flexibel bleiben: Sei bereit, nachts spontan aufzubrechen. Polarlichter können binnen einer Stunde aufflackern und verschwinden.
  • Echtzeit-Vorhersage nutzen: Tools wie Will I See Aurora? zeigen alle fünf Minuten aktualisierte Bedingungen, kombiniert mit Bewölkungsprognosen für ganz Island.
  • Augen schonen: Gib deinen Augen 15 bis 20 Minuten, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Vermeide Handydisplays in der Nacht, oder nutze den Rotlicht-Modus.
  • Warm anziehen: Isländische Winternächte können bitterkalt sein, besonders bei Wind. Unser Packlisten-Guide deckt alles ab, was du für Winternächte brauchst.
  • Kamera vorbereiten: Stellst du deine Kamera auf Manuell, ISO 1600–3200, Blende f/2.8 oder weiter und Belichtung 5–15 Sekunden ein, hast du gute Chancen auf beeindruckende Aufnahmen. Unser Nordlichter-Fotografie-Guide geht ins Detail.

Häufige Fragen

Kann man Nordlichter in Reykjavík sehen?

Ja, bei starker Aktivität (Kp 4+) sind Polarlichter auch vom Stadtrand aus sichtbar. Für optimale Bedingungen empfiehlt sich aber eine Fahrt in Richtung Þingvellir oder zumindest zum Leuchtturm Grótta.

Sind geführte Touren sinnvoll?

Geführte Polarlicht-Touren haben den Vorteil, dass erfahrene Guides die Wettermodelle kennen und flexibel die beste Stelle anfahren. Für Reisende ohne eigenes Auto sind sie besonders empfehlenswert. Unser Vergleich geführte vs. selbstorganisierte Touren hilft bei der Entscheidung.

Was ist der Unterschied zwischen Polarlicht-Vorhersage und Garantie?

Keine Vorhersage kann Polarlichter garantieren. Tools wie unsere Echtzeit-Prognose zeigen dir, wie hoch die Wahrscheinlichkeit in den nächsten Stunden ist, aber letztlich spielen Wolken, Mondlicht und solare Schwankungen zusammen. Je besser du vorbereitet bist, desto höher sind deine Chancen.